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Stand: 02.12.2015

Pressemitteilung

“Demokratie gegen Anfechtungen verteidigen“

Für elf Mitarbeitende des Caritasverbandes für die Diözese Speyer ist am 6. Juni eine ganz besondere Weiterbildung zu Ende gegangen. Sie haben sich zu MentorInnen für Gesellschaftlichen Zusammenhalt qualifiziert. Im Caritas-Altenzentrum St. Hedwig in Kaiserslautern durften sie aus den Händen des Caritasvorsitzenden Karl-Ludwig Hundemer die Zertifizierungsurkunde entgegennehmen.

Die elf Mitarbeitende des Caritasverbandes für die Diözese Speyer, die sich zu MentorInnen für Gesellschaftlichen Zusammenhalt qualifiziert habenDie elf Mitarbeitende des Caritasverbandes für die Diözese Speyer, die sich zu MentorInnen für Gesellschaftlichen Zusammenhalt qualifiziert habenFriederike Jung

„Die Fortbildung hat im Rahmen des Projekts, Zusammenhalt durch Teilhabe - Gelebte Demokratie" im Diözesancaritasverband Speyer stattgefunden. Dieses Projekt wiederum Teil des Bundesprogramms Zusammenhalt durch Teilhabe“, erklärte Projektleiterin Martina Gemmar. Das Programm fördert Projekte, die sich für die Stärkung demokratischer Teilhabe und gegen Ausgrenzung einsetzen. Ein Engagement, das heute wichtiger denn je sei, da der Demokratie-Begriff zunehmend populistisch verzerrten Andersdeutungen ausgesetzt sei.
„Die Mentoren und Mentorinnen sollen demokratischen Störfaktoren schon präventiv entgegenwirken und die Basis für gleichwertiges und gewaltfreies Zusammenleben schaffen“, so Gemmar. „Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, haben sie sich von Januar bis Juni in Workshops mit den Themen Menschenrechtsbildung, demokratische Prozesse, Religion und Politik, gewaltfreie Kommunikation, Fake News, rechtpopulistische Strategien und Sensibilisierung für kulturelle und religiöse Vielfalt auseinandergesetzt.“

„Neben Münster sind wir der einzige Diözesancaritasverband, der sich um eine Projektteilnahme an dem Bundesprogramm beworben hat“, sagte die Leiterin der Abteilung Soziales, Barbara Aßmann. „Viele unserer Mitarbeitenden sind in der Flüchtlingshilfe aktiv. Da ist es uns ein Anliegen, sie hellhörig für diskriminierende, rechtsextreme Strömungen zu machen.“ Um Impulse zu geben und das Interesse zu wecken, werde das Motto ,Zusammenhalt durch Teilhabe - Gelebte Demokratie‘ in allen möglichen Facetten thematisiert. „Wie vom Projektträger gewünscht, haben wir  eine Steuerungsgruppe gebildet, die im Vorfeld ein passendes Konzept ausgearbeitet hat und den Prozess positiv-kritisch begleitet“, erläuterte Michael Gerst von der Stabsstelle Verbandswesen.

Esther StadelEsther StadelFriederike Jung

Die Angebote fallen auf fruchtbaren Boden. „Die Mentoren-Ausbildung hat mich sofort angesprochen“, sagte Esther Stadel, die im Caritas-Altenzentrum St. Bonifatius in Limburgerhof für den Bereich Qualitätsmanagement zuständig ist. „Aufgrund der Zuwanderung wird die Altenpflege zunehmend interkulturell. Dazu kommt, dass zwischen den zu pflegenden Menschen und den Pflegekräften oft ein Altersunterschied von bis zu 50 Jahren besteht. Da bleiben Probleme nicht aus, andererseits bieten sich auch Chancen. Von daher war mir es wichtig, in der Fortbildung Infos an die Hand zu bekommen, was ich zur Konfliktprophylaxe, zur Kultur des gegenseitigen Verstehens und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beitragen kann.“

Laura PeiferLaura Peifer

Das kann Laura Peifer nur unterstreichen. „Ich bin beim Caritas-Zentrum Pirmasens in der Gemeindecaritas tätig, unterstütze Haupt- und Ehrenamtliche in den Pfarreien. Es war sehr interessant, sich mit den verschiedenen Themen zu beschäftigen und zu reflektieren, was Demokratie mit den Aufgaben der Caritas zu tun hat“, so die studierte Soziologin. Unter diesem Aspekt sei Demokratie nicht nur ein politisches System, sondern eine Haltung, die auf bestimmten Wertevorstellungen basiere.

Roman KammerRoman KammerFriederike Jung

 Für Roman Kammer ist Demokratie ein wertvolles, hart erkämpftes Gut. „Deshalb macht es mir Sorgen, wenn ich sehe, wie gefährdet sie ist. Sie gegen Anfechtungen zu verteidigen, sehe ich als karitative Aufgabe.“ Seit 2017 arbeitet er beim Caritas-Zentrum Neustadt, Außenstelle Bad Dürkheim, in der Migrationsberatung. „Da bleibt es nicht aus, dass ich immer wieder mit Vorurteilen und fremdenfeindlichem Verhalten in Berührung komme. Dagegen möchte ich gut gewappnet sein.“ Wie schnell Konflikte eskalieren können, weiß er aus seinem Studium der Sozialwissenschaften, Kriminologie und Gewaltforschung. „Die Mentoren-Ausbildung hat mir viele Informationen vermittelt, die ich in meine Arbeitsstelle weitertragen möchte.“
Damit erfüllt er eine zentrale Aufgabe der MentorInnen. Sie sollen als Multiplikatoren die Menschen in ihrem Umfeld für demokratisches Verhalten sensibilisieren. Dazu gehört es, Informationen an Kollegen weiterzugeben, Ansprechpartner zu sein, auch für Einrichtungen, die keine Mentoren haben, ein Netzwerk aufzubauen und Strukturen für interne Workshops zu schaffen.

Im Sinne eines weiteren Austauschs und der Vertiefung mancher Themen plädierten alle Teilnehmenden für eine Fortsetzung des Projekts. Dafür, und für eine entsprechende Finanzierung, werde er sich stark machen, versicherte Karl-Ludwig Hundemer. „Denn es mangelt weder am guten Willen noch an Mitarbeitern, die sich einsetzen. Alle Caritasmitarbeiter sind doch gute Demokraten und nicht nur Lobbyisten für Schwache, sondern auch Anwälte für die Gesellschaft“, sagte der Verbandsvorsitzende und überreichte den frischgebackenen Mentoren und Mentorinnen ihr Zertifikat.

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